Fegefeuer

Sie ist verwahrlost, schwach und eine Gefahr für ihre Ruhe - und doch nimmt Aliide Truu die verängstigte, hilflose Zara in ihr entlegenes, allein bewohntes Haus auf. Sie braucht sich vor nichts zu fürchten, versucht die Bäuerin Fegefeuer sich einzureden. Doch Zara wird verfolgt: Ihre Zuhälter, die sie einst mit dem Traum vom großen Geld lockten, sind hinter der jungen Frau her - und mit ihnen, so scheint es, dringen nun auch die längst verdrängten Erinnerungen wieder in Aliides Leben. Nicht nur, dass sie selbst als Kind des Krieges und der sowjetischen bzw. deutschen Besatzung Estlands genug Verfolgung, Unterdrückung und Repressionen am eigenen Leib erfahren musste, was sie lieber vergessen würde. Auch die eigene Familiengeschichte scheint sie mit der Ankunft Zaras aufs Neue heimzusuchen ... - Nüchtern, klar und doch ausdrucksstark schildert die Autorin die Biographien zweier Frauen, die für so viele andere von Krieg und Gewalt der Männer Erniedrigte stehen könnten. In zahlreichen Rückblenden taucht der Leser ein in das schicksalsgebeutelte Leben der älteren Aliide Truu und verfolgt gespannt die Vergleiche mit den Erlebnissen der jungen Zara. Ein Wechselbad von Gefühlen entsteht, während die Welt, in der beide Frauen leben, ein trostloses Mahnmal für die Leiden der unterdrückten Frauen gleich jeden Alters darstellt. - Ein interessantes, wenn auch nicht immer leicht nachvollziehbares Stück Literatur. (Übers.: Angela Plöger)

Sonja Schmid

Sonja Schmid

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Fegefeuer

Fegefeuer

Sofi Oksanen
Kiepenheuer & Witsch (2010)

395 S.
fest geb.

MedienNr.: 566510
ISBN 978-3-462-04234-4
9783462042344
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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