Die Erziehung des Mannes

Im neuen Roman des mehrfach preisgekrönten Autors blickt Georg, ein circa 60-jähriger Musikwissenschaftler und leidlich erfolgreicher Komponist, auf sein Leben zurück. Er sieht sich als einen Scheiternden, der mit seinem eigenen Die Erziehung des Mannes Verhalten hadert und erst als alter Mann, an der Seite seiner ersten Jugendliebe zu innerer Gelassenheit findet. Zunächst ist es sein autoritärer Vater, der ihn fortwährend in Angst versetzt und zeitlebens mit einem ständig schlechten Gewissen ausstattet. Dann sind es seine Freundinnen und seine Ehefrau, die sich seiner annehmen und die ihn (in schönster Bildungsromantradition) zum Manne erziehen, freilich zu einer Karikatur von Mann, mit dem man beinahe Mitleid haben möchte, der sich wegen seiner übermäßigen Willfährigkeit und Entschlusslosigkeit selbst verachtet: "Hielt man mir ein Stöckchen hin, sprang ich auf der Stelle los." (S. 283) "Ich hasse es ein Hund zu sein." (S. 203) Für seine drei nicht eben leicht zu erziehenden Kinder übernimmt er, so gut es geht und oft gegen den Widerstand seiner später von ihm geschiedenen Frau Verantwortung. Erst in dieser Lebensphase findet er zu einer gewissen inneren Festigkeit. Der nüchterne, völlig glanzlose Berichtsstil passt genau zu dieser quälend ehrlichen Selbstanalyse eines Mannes, der abgerichtet wird, von seinem Vater, seinen Frauen und von seinen drei Kindern. Was diesem Mann (wie dem gesamten Roman) so völlig abgeht, sind Humor und Selbstironie. Dem Roman hätte es vielleicht gut getan, wenn der Autor die notgedrungen subjektiv-einseitige Sicht Georgs z.B. durch die Einführung eines relativierenden Erzählers ergänzt hätte, oder wenn auch die so geschmähte Ehefrau zu Wort gekommen wäre. (Deutscher Buchpreis 2016, Longlist)

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Erziehung des Mannes

Die Erziehung des Mannes

Michael Kumpfmüller
Kiepenheuer & Witsch (2016)

316 S.
fest geb.

MedienNr.: 584800
ISBN 978-3-462-04481-2
9783462044812
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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