Konzert ohne Dichter

Klaus Modick, geb. 1951, gehört zu den talentierten und kultivierten Erzählern deutscher Sprache, die beste Unterhaltung aus Hingabe an die Literatur liefern, dabei stets einen gesunden, oft humorvoll gebrochenen Abstand zum Sujet Konzert ohne Dichter halten, ohne dass es an Achtung und Kenntnis gebricht. Mit seinem neuesten Erzähltext geht der Oldenburger Modick in vertraute Landschaft. In der Künstlerkolonie Worpswede steht Heinrich Vogeler vor Vollendung seines großformatigen Gemäldes "Das Konzert". Rilke, der zu jener Zeit mit zur Familie auf dem Barkenhoff zählte, ist nicht auf dem Ölgemälde präsent. Umso mehr ist er die Zentralfigur des Buches, die mit Egomanie und dichterischen Zauber alle in den Bann zieht, vor allem aber in der Liaison mit Clara Westhoff (später seine Ehefrau) und Paula Becker (die nach Bruch mit Rilke den Maler Otto Modersohn heiratet) die Künstlergemeinschaft verstört. Vogeler, aus dessen Perspektive erzählt wird, gestaltet die Atmosphäre dieses Aufbruchs der Moderne um 1905 in seiner Kunst wie es Modick mit den Mitteln des Schriftstellers tut. - Ein Buch, das viel Charme und großartige Erzählpartien enthält. Ein Buch, das eintauchen lässt in die Welt der Worpsweder Maler und der Rilke-Reime und zugleich an die Probleme um Dichtung und Freiheit, um moralische Positionen und Gesellschaftsentwicklungen unserer Zeit denken lässt. Zugleich ist es ein herrliches Antidot gegen die aktualitätsversessene Bestsellerkultur. - Für alle Bestände, nicht nur jene für Bildungsbürger, sehr empfehlenswert.

Helmut Krebs

Helmut Krebs

rezensiert für den Borromäusverein.

Konzert ohne Dichter

Konzert ohne Dichter

Klaus Modick
Kiepenheuer & Witsch (2015)

228 S.
fest geb.

MedienNr.: 580222
ISBN 978-3-462-04741-7
9783462047417
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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