Panikherz

In den 90er Jahren war Stuckrad-Barre, geboren 1975, ein Shootingstar der Literatur- und Medienszene und ein gern gesehener Talkshow-Gast. Mit seinem Debütroman "Soloalbum" (1998) gelang ihm gleich ein Besteller, der später Panikherz auch verfilmt wurde. Stuckrad-Barre verschwand dann ziemlich von der Bildfläche, lebte zeitweilig in einem Kokainrausch, war schwer essgestört und depressiv. Seine gesamte bürgerliche Existenz brach zusammen. Er war schließlich ohne Geld, ohne Wohnung und ohne Personalausweis, ganz unten. Mehrere Klinikaufenthalte konnten ihm nicht helfen, bis sich schließlich seine Brüder um ihn kümmerten und ihn mit liebevoller Strenge wieder auf die Beine brachten. Stuckrad-Barres biografischer Fixstern ist der Alt-Rocker Udo Lindenberg, der ihn von Jugend an in der Fantasie und später auch ganz real begleitete. Stuckrad-Barre schont sich selbst nicht in seinem autobiografischen Text. Er beschreibt seine Drogensucht und seinen Verfall drastisch. Er erzählt von Familie, Freundschaft - und er kann gut erzählen! Das Buch hat es schnell an die Spitze der Bestsellerlisten gebracht und wurde in den Feuilletons ausführlich gewürdigt. Allerdings darf man sich schon fragen, wie viel Selbstinszenierung und Eitelkeit dazugehört, sich so in den Mittelpunkt zu stellen und vor allem, warum man das unbedingt lesen sollte. Es bleibt ein zwiespältiger Eindruck.

Marion Sedelmayer

Marion Sedelmayer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Panikherz

Panikherz

Benjamin von Stuckrad-Barre
Kiepenheuer & Witsch (2016)

564 S.
fest geb.

MedienNr.: 584804
ISBN 978-3-462-04885-8
9783462048858
ca. 22,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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