Der Zopf meiner Großmutter

Maxims Großmutter Margo ist eine sehr dominante Frau, die zu allem eine Meinung hat, ihren Enkel vor allen Gefahren des Lebens bewahren möchte, weshalb sie ständig Desinfektionsmittel parat hat und Maxim vor allem Haferbrei essen Der Zopf meiner Großmutter muss. Dem Rest der Welt muss sie beweisen, wie gut und unersetzlich sie ist (und wie nutzlos alle anderen). Weil sie damit sehr beschäftigt ist, bekommt sie lange nicht mit, dass ihr Mann Tschingis ein Verhältnis mit einer jungen Russin hat, die ebenfalls in ihrem Flüchtlingsheim wohnt. Erst als ein Kind geboren wird, kommt das Verhältnis ans Licht. Doch Margo atmet einmal tief durch, entlässt Maxim in die völlig ungewohnte Selbständigkeit und kümmert sich um Tschingis Sohn, weil seine Geliebte nach der Geburt depressiv ist. Maxim sucht unterdessen nach seinem leiblichen Vater, der ebenfalls nach Deutschland ausgewandert ist. - Aus der naiven Perspektive Maxims, der im Laufe des Romans die Grundschule absolviert (ohne Probleme, obwohl seine Großmutter ihn für einen "Idioten" hält), folgt man der Geschichte, die zunächst als Groteske gestaltet ist, sich dann aber in ein Familiendrama verwandelt. Bronsky ist Meisterin der Andeutungen, sie streut zunächst nur spärliche Hinweise auf Maxims leibliche Eltern und deren Geschichte ein, die sich nach und nach verdichten und auch erklären, warum sich die Großmutter, die einst eine gefeierte Ballerina gewesen ist, so anstrengend verhält. Auch wenn die Darstellung der Großmutter (übrigens die 3. in Bronskys Werk, zul. "Baba Dunjas letzte Liebe", BP/mp 15/645) im ersten Drittel sehr überzeichnet ist, wächst einem diese merkwürdige "Familie" rasch ans Herz. Ein Familiendrama voller tragischer, komischer Momente - sehr lesenswert!

Der Zopf meiner Großmutter

Der Zopf meiner Großmutter

Alina Bronsky
Kiepenheuer & Witsch (2019)

213 S.
fest geb.

MedienNr.: 596045
ISBN 978-3-462-05145-2
9783462051452
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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