Der Gedankenspieler

Nach einem Sturz ist der achtzigjährige Johannes Wenger auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Leben lang hat der notorische Einzelgänger allzu große Nähe zu Menschen gemieden. Jetzt sind ihm seine Hinfälligkeit und die Abhängigkeit Der Gedankenspieler von einem Pflegedienst zuwider. Einzig sein um Jahrzehnte jüngerer Hausarzt Mailänder lässt sich von der Widerspenstigkeit Wengers nicht abschrecken. Er schätzt den klugen, immer noch gefragten Architekturkritiker sehr und mit der Zeit entstehen Zuneigung und Freundschaft. Als Mailänder eine Kollegin mit Kind heiratet, ist der alte Herr eingeladen und wird als "Opa" in die Familie integriert. Die ungewohnte Zugehörigkeit ist zwar ein Segen, aber doch sehr gewöhnungsbedürftig für den eigenbrötlerischen Wenger. Seine Immobilität gibt ihm viel Raum zum Nachdenken und so reflektiert er analytisch seine Lebenserfahrungen in Briefen, die er gedanklich an für ihn wichtige Persönlichkeiten verfasst. - Der letzte Roman von Peter Härtling, der im Juli 2017 verstorben ist, lädt ein in die Gefühlswelt eines schwer kranken, alten Menschen, der trotz aller Einschränkungen und Trübsinnigkeit viele glückliche Momente erlebt. Ein lebendiges Lesevergnügen und für alle Bestände warm empfohlen.

Gabriele Berberich

Gabriele Berberich

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Gedankenspieler

Der Gedankenspieler

Peter Härtling
Kiepenheuer & Witsch (2018)

227 S.
fest geb.

MedienNr.: 879445
ISBN 978-3-462-05177-3
9783462051773
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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