Harro & Libertas

Harro Schulze-Boysen (1909-1942) und seine Frau Libertas (1913-1942) stammten beide aus gutbürgerlichem Hause. Er war ein Großneffe des Admirals Tirpitz, sie die Enkelin von Fürst von Eulenburg. Nachdem Harro wegen seiner publizistischen Harro & Libertas Tätigkeit schon 1933 ins Visier der Gestapo geraten war und zusehen musste, wie sein Freund Henry Erlanger zu Tode geprügelt wurde, versuchte er das verhasste NS-Regime von innen heraus zu bekämpfen. Er arbeitete im Reichsluftfahrtministerium, Libertas im Filmgeschäft. Das Ehepaar pflegte im Berlin der 30er Jahre einen freigeistigen, bohcmehaften Lebensstil mit einem großen Bekanntenkreis. Mit ihrem umfassenden und weit verzweigten Netzwerk organisierten sie Fluchtmöglichkeiten für Verfolgte, verfassten und verteilten Flugblätter und versuchten nach Kriegsbeginn die Alliierten und auch die Sowjetunion mit Informationen zu beliefern. Durch einen abgefangenen Funkspruch der Sowjets flog die Gruppe, die als "Rote Kapelle" bezeichnet wurde auf. Die Sowjets vereinnahmten die bürgerlichen Widerständler, auch die Nazis diskreditierten die Gruppe als "Sowjetagenten". Norman Ohler entmystifiziert die sog. "Rote Kapelle", erzählt ungemein lebendig und beschreibt nachfühlbar den Geist aus dem heraus sich das Berliner Widerstandsnetz entwickelte. Dabei heroisiert er seine Titelhelden nicht, sondern wird ihrer Ambivalenz durchaus gerecht. Alles ist exakt mit Quellen belegt. Für historisch interessierte Leser, auch für ältere Jugendliche empfehlenswert!

Marion Sedelmayer

Marion Sedelmayer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Harro & Libertas

Harro & Libertas

Norman Ohler
Kiepenheuer & Witsch (2019)

491 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 598793
ISBN 978-3-462-05267-1
9783462052671
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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