Wie ein Schmetterling aus Papier

Nach mehreren Jahren im Staatsdienst macht sich die junge Mei Wang selbstständig und eröffnet ein als "Auskunftei" getarntes (jedoch in China verbotenes) Detektivbüro in Peking. Eines Tages erhält sie den Auftrag, nach Wie ein Schmetterling aus Papier einer verschwundenen Künstlerin zu suchen. Bei ihren Recherchen, die sie unverzüglich beginnt, wird sie mit einem der dunkelsten Kapitel der chinesischen Geschichte der Neuzeit konfrontiert, der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Tianmen-Platz 1989. Damals hatte sie große Sympathie für die Demonstranten empfunden, war aber selbst nicht mutig genug, aktiv teilzunehmen. Deshalb wird sie auch Jahre danach noch immer von einem Schuldgefühl den damaligen Studenten gegenüber geplagt. Als sie sich bei ihren Nachforschungen näher mit der Person der vermissten Kaili befasst und sich irgendwie zu ihr hingezogen fühlt, wird deren Leiche gefunden. Obwohl für ihren Auftraggeber die Angelegenheit nun erledigt ist und er ihr sogar weitere detektivische Maßnahmen untersagt, lässt sich Mei Wang nicht davon abhalten, aus eigenem Interesse den Fall zu klären und den Mörder Kailis ausfindig zu machen. Dabei stößt sie auf eine tragische Liebesgeschichte. Diane Mei Liang beschreibt sehr einfühlsam die einzelnen Personen und Schicksale, aber sie schildert auch schonungslos offen die sozialistische Gesellschaft im heutigen China und die Repressalien, denen die Bevölkerung trotz allen wirtschaftlichen Fortschritts und der politischen Öffnung ausgesetzt ist, sowie die Ängste, mit denen sie täglich zu leben hat. Eine spannende und interessante Lektüre, die allen Büchereien empfohlen werden kann. (Übers.: Susanne Hornfeck)

Edith Schipper

Edith Schipper

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wie ein Schmetterling aus Papier

Wie ein Schmetterling aus Papier

Diane Wei Liang
List (2010)

267 S.
fest geb.

MedienNr.: 564980
ISBN 978-3-471-79173-8
9783471791738
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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