Heimisch und doch fremd

In fünf Kapiteln stellt die Autorin Menschen vor, die andernorts geboren nun ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Die Bandbreite der Einzelschicksale reicht von vietnamesischen Boatpeople bis zu einem Polen, den vor Jahren Heimisch und doch fremd ein politischer Umsturz in seiner Heimat in Peking überraschte; von einer jungen Russlanddeutschen, die noch den friesischen Dialekt ihrer auswandernden Vorfahren spricht, bis zu einem Flüchtlingskind aus dem Balkankrieg, das heute in Deutschland Deutschlehrer ist. Die Mehrzahl der Vorgestellten lebt schon relativ lange hier; bei ihnen sind die Aspekte der Integration besonders lesens- und nachdenkenswert angesichts der Million Flüchtlinge des Jahres 2015, die am Anfang eines solchen Weges stehen. Zwischen die Lebensläufe platziert hat die Autorin Interviews mit Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit der Integration von Migranten zu tun haben. Mehrere Abschnitte im Kapitel "Muslimisches Leben unter uns" sind der Berliner Gruppe "Heroes" gewidmet, ein Zusammenschluss von Migranten, die ihre Erfahrungen an Schüler weitergeben, die Konflikte mit (ihren) islamischen und traditionellen Wertbegriffen haben. - Bemerkenswert an der Auswahl ist die Vielfalt der Schicksale. Von der Gastarbeitergeneration der 60er Jahre bis zu einem Apotheker aus Damaskus, dem buchstäblich das Dach über dem Kopf weggebombt wurde. Der Autorin ist es gelungen, auf 200 Seiten plastisch die Breite des Themas lebendig werden zu lassen. Der journalistisch geprägte Stil macht das Buch zu einer fundierten, aber nicht theorieüberfrachteten Lektüre. Deshalb schon für kleinere Büchereien zu empfehlen.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Heimisch und doch fremd

Heimisch und doch fremd

Barbara Warning
Ravensburger Buchverl. (2016)

245 S. : Ill. (überw. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 587280
ISBN 978-3-473-55447-8
9783473554478
ca. 5,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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