Freundesfeuer

Eine ältere Dame reist zum ersten Mal allein zu ihrem Schwager nach Afrika. Ihr Mann muss sieben Tage ohne sie in Israel bleiben, und das auch noch zu Chanukka. An Chanukka wird acht Tage lang der Befreiung der Juden Palästinas von Freundesfeuer der Unterdrückung durch die Syrer im 2. Jh. vor unserer Zeitrechnung gedacht, indem jeden Tag ein Licht mehr auf dem Chanukka-Leuchter angezündet wird. Es ist eine Geschichte, die auf den ersten Blick einfacher kaum sein könnte, und ebenso ruhig, unaufgeregt ist der Schreibstil. Spannend wird der Roman, weil Jehoschua den Leser so nah an diese israelische Familie heranführt, dass er am Ende gar glauben mag, sie besser zu kennen als die eigene. Und plötzlich ist die Geschichte alles andere als einfach: Daniela reist nach Afrika, um mit ihrem Schwager die Erinnerungen an ihre jüngst verstorbene Schwester aufzufrischen. Dabei kommt sie auch der Wahrheit über den Tod ihres Neffen in der israelischen Armee näher. In Israel sehnt sich ihr Mann Amotz nach ihr und hat mit komplizierten Familienverhältnissen zu kämpfen. Er jongliert mit seiner Zeit zwischen Babysitten bei den Enkeln und Aufzugsreparatur bei einer alten Liebschaft seines Vaters. Daniela schwankt währenddessen zwischen der Freude über das Wiedersehen mit dem Schwager und der Trauer über den Tod ihrer Schwester und ihres Neffen. Zwischen Trauer und Freude liegen in Jehoschuas Roman oft nur wenige Zeilen. Die Lektüre ist dabei - von der ersten bis zur letzten Seite - sehr empfehlenswert. (Übers.: Ruth Achlama)

Carmen Reichert

Carmen Reichert

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Freundesfeuer

Freundesfeuer

Abraham B. Jehoschua
Piper (2009)

475 S.
fest geb.

MedienNr.: 309536
ISBN 978-3-492-05161-3
9783492051613
ca. 22,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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Auszeichnung: Roman des Monats