Bei aller Liebe

Über die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für verheiratete Männer ist schon ausgiebig diskutiert worden. Dass Anselm Bilgri, ehemaliger Prior des Klosters Andechs, diese Diskussion aufgreift, hängt mit den beiden Bei aller Liebe Synoden zusammen, die im nächsten Jahr in Rom stattfinden werden: die Jugendsynode und die Synode der lateinamerikanischen Bischöfe. Von Letzterer erhofft er sich wegweisende Vorschläge zur Weihe verheirateter Männer, bei ersterer müsse seiner Ansicht nach auch über das Thema Priester und Berufung gesprochen werden. Bilgri glaubt, dass es mehr Priester gibt, die den Zölibat brechen oder unterlaufen, als solche, die ihn halten. Und er wirft der Kirche vor, dass sie sich in die Tasche lüge, wenn sie das Ideal zur Norm erklärt, an der ein Großteil der Priester scheitere - was in den Generalvikariaten auch bekannt sei. Die Argumente, die Bilgri vorträgt, sind alles andere als neu. Was das Buch auszeichnet, ist der Blick auf die Schicksale von Priestern, die am Zölibat gescheitert sind. Der Journalist Gerd Henghuber beschreibt, welche menschlichen Tragödien und auch pastoralen Probleme sich aus Konflikten mit der Zölibatsverpflichtung ergeben können. Am Ende des Buches entwickelt Bilgri eine Vision, wie sich die Ämter in der katholischen Kirche ohne eine Zölibatspflicht, offen für Männer und Frauen, im Kontext einer Communio-Theologie ganz neu denken lassen. Dabei spielen die Prinzipien von Synodalität, Regionalität und Subsidiarität eine tragende Rolle. - Das Buch mit seinen klaren Positionierungen ist geeignet, ausgehend von der Problematik des Zölibats eine rege Diskussion zum Erscheinungsbild der katholischen Kirche im 21. Jahrhundert anzuregen. Allen Beständen sehr zu empfehlen.

Lioba Speer

Lioba Speer

rezensiert für den Borromäusverein.

Bei aller Liebe

Bei aller Liebe

Anselm Bilgri
Piper (2018)

249 S.
fest geb.

MedienNr.: 595500
ISBN 978-3-492-05874-2
9783492058742
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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