Bericht aus dem Inneren

Während "Winterjournal", die 2013 erschienene autobiografische Skizze des Autors, vor allem die äußeren Lebensumstände zum Thema hatte, dient dieser Text der Erkundung und Selbstvergewisserung des eigenen Inneren. Der Text gliedert Bericht aus dem Inneren sich in drei sehr unterschiedliche Teile. Während der erste Teil - überwiegend aus der manchmal vagen Erinnerung an die frühe Kindheit gespeist, all die Erlebnisse schildert, die das Denken und Fühlen des frühreifen Kindes bis etwa 10 Jahren bestimmten, erzählt der Autor im zweiten Teil in aller Ausführlichkeit und in außerordentlich spannender Weise von zwei Filmen, die sein Weltbild als Heranwachsenden nachhaltig geprägt, die ihm "zwei Schläge an den Kopf" (S. 111) versetzt haben. ("Die unglaubliche Geschichte des Mr. C." von 1957; "Jagd auf James A." von 1932). Im dritten Teil berichtet Auster, gestützt auf eine große Anzahl von Briefen an seine damalige Freundin und spätere erste Ehefrau Lydia Davis, von seiner Zeit als Student an der Columbia-Universität, über seine ersten tastenden, oft verzweifelten Versuche sich als Drehbuchautor, Übersetzer und Schriftsteller zu etablieren, über seine Jahre in Frankreich, die Studentenunruhen und das politische Klima dieser unruhigen Jahre. Ein umfangreicher Anhang mit zahlreichen Schwarzweißfotos ergänzt den Text, dessen literarische Qualität wohl außer Frage steht. Auch als Zeitdokument, das sehr anschaulich die Stimmung im Amerika und Frankreich der Nachkriegszeit einfängt, ist der Text stellenweise hochinteressant.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Bericht aus dem Inneren

Bericht aus dem Inneren

Paul Auster
Rowohlt (2014)

359 S. : zahlr. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 773128
ISBN 978-3-498-00089-9
9783498000899
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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