Wo ich mich finde

Eine namenlose Frau in Italien, Mitte vierzig, Universitätsdozentin, geht als genaue Beobachterin durchs Leben und macht sich ihre Gedanken. Ihre Beziehung zur dominanten Mutter war immer schwierig. Ihrem zu früh verstorbenen Vater Wo ich mich finde verzeiht sie nicht, dass er sich nicht eingemischt hat. An den immer gleichen Schauplätzen, sei es in der Bar, im Museum oder auf der Straße schaut sie anderen Leuten zu und genießt dabei ihr Einzelgängertum. Bei zufälligen Begegnungen mit dem Lebensgefährten ihrer besten Freundin ist ihr bewusst, dass sie eine gemeinsame Geschichte haben könnten, wenn sie es nur wollten. Das genügt ihr. - Jhumpa Lahiri hat bengalische Wurzeln und ist in London und Rhode Island aufgewachsen. Ihre auf Englisch erschienenen Bücher sind mit wichtigen Preisen ausgezeichnet worden. Seit einigen Jahren lebt sie in Italien. Mit diesem Roman wechselt sie in die italienische Sprache. Die Autorin hat eine scheue, sensible, leicht melancholische Protagonistin entworfen. In nur wenige Seiten langen Kapiteln lässt sie die Leser/-innen an ihrem unspektakulären Alltag teilhaben und zieht sie in ihr genügsames Leben hinein. Das erfordert eine Bereitschaft, sich auf ihre wehmütige Weltsicht einzulassen und auf vordergründige Handlung zu verzichten.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Wo ich mich finde

Wo ich mich finde

Jhumpa Lahiri ; aus dem Italienischen von Margit Knapp
Rowohlt (2020)

154 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 601030
ISBN 978-3-498-00110-0
9783498001100
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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