Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

"Erzähl es" rät die Freundin, fünf Jahre nach dem Tod des Ehemannes, den die Autorin nach zwei schweren Schlaganfällen, monatelangen Torturen auf Intensiv-Stationen und Rehaklinik dann fast 10 Jahre zuhause betreut und Das Leben ist ein vorübergehender Zustand begleitet hat. Einen Mann, der aus einem sportlichen, öffentlichen und sprachgewaltigen Leben herausgerissen und zum Pflegefall wird; unfähig zu laufen, zu lesen, zu schreiben, sich verständlich zu äußern - nur der Verstand und der innere Furor sind geblieben, und die Verzweiflung über seinen Zustand. Im Rückblick schreibt die Autorin von den vielen Kämpfen umeinander, mit- und gegeneinander, die sie auf dem langen Weg der Krankheit führen, von all den Gefühlen, die sie durchleben, von der Zärtlichkeit und der Liebe, die wieder erwachsen, obwohl sie ihm am Tag seines Zusammenbruchs vermittelt hatte, es sei vorbei. Von den Gratwanderungen zwischen Fürsorge und Bevormundung, von der Angst, in der Opferrolle zu versinken, vom ständigen Balanceakt um ein lebenswertes Leben für beide. Von den Zumutungen, die durch die Krankheit entstehen- und denen, die sie aus dem Umfeld erleben, das sich abwendet, aber auch der Zugewandtheit neuer Helfer, Unterstützer, Freunde. Ein sehr persönliches, literarisches Buch, aus einer privilegierten Situation heraus, aber im Grundsatz so oder so ähnlich von vielen Pflegenden und Gepflegten tagtäglich erlebt.

Elisabeth Bachthaler

Elisabeth Bachthaler

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Gabriele von Arnim
Rowohlt (2021)

235 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 973952
ISBN 978-3-498-00245-9
9783498002459
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Fa
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