Union Atlantic

Doug Fanning arbeitet für "Union Atlantic", eine frühere Privatbank, die zu einem der vier größten Finanzkonzerne des Landes geworden ist. Er hat sich eine Luxus-Villa in einem Vorort Bostons bauen lassen. So leer wie Union Atlantic in seinem Haus sieht es auch in Dougs Leben aus: niemand und nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Seine Beteiligung an den Ereignissen 1988 im Iran-Irak-Krieg an Bord eines US-Kreuzers, der ein iranisches Passagierflugzeug abschoss, geht ihm noch nach, doch hat er diese Regungen mit Arroganz zugeschüttet. Er empfindet nur Verachtung für Menschen; dies zeigt sich insbesondere in seinem Verhältnis zu dem siebzehnjährigen Nate, der ihn bewundert, dessen Verliebtheit ihn abstößt, mit dem er aber dennoch Sex hat. Nate gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich mit Drogen zudröhnt und auf Sinnsuche ist. Dougs Gegenspielerin ist seine Nachbarin Charlotte Graves, Geschichtslehrerin im Ruhestand mit leicht fanatischer Freude an Predigten über die Lehren der Vergangenheit. Die widerspenstige alte Dame lebt mit ihren Hunden in einem alten Haus, das ihrer Familie einst als Feriensitz diente. Sie verteidigt das Revier ihrer Kindheit, eine Bastion der alten Welt, mit Zähnen und Klauen. Beide sind Einsame, der eine lebt in der Gegenwart, die andere in der Vergangenheit. Der Roman spielt 2002 in Boston und wurde kurz vor der großen Bankenkrise fertig gestellt: die Realität hat hier die Fiktion überholt. Leser, die sich für die Anfälligkeit des internationalen Finanzsystems interessieren, werden hier gut unterhalten. (Übers.: Uda Strätling)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Union Atlantic

Union Atlantic

Adam Haslett
Rowohlt (2009)

393 S.
fest geb.

MedienNr.: 323723
ISBN 978-3-498-03000-1
9783498030001
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.
Titel der Ausgabe:
Auszeichnung: