Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Jurek ist schon in jungen Jahren ein pfiffiger, erfindungsreicher und lebensbejahender Mann. Das verhindert freilich nicht, dass er immer wieder Schicksalsschläge erleiden muss. Im Krieg gerät er in die Fänge der deutschen Besatzer Die vielen Tode unseres Opas Jurek und sein Aufenthalt in der "weltberühmten" Ortschaft Oswiecim als Zwangsarbeiter bescheren ihm erste Tode, glaubt er doch mehrfach, nicht mehr unter den Lebenden zu sein. Durch diverse handwerkliche und sprachliche Fähigkeiten und reichlich Chuzpe überlebt er das Lager und rettet sich durch den Krieg. Danach verschafft ihm der polnische Geheimdienst immer wieder kostenlose Aufenthalte in den Tiefgeschossen des unheimlichen "Grauen Quaders". Auch hier glaubt er immer wieder zu sterben, wundert sich dann doch über sein Überleben. Seine Kinder wollen sich mit den gegebenen Umständen nicht länger abfinden und wandern in das Land jenseits der DDR aus. Jurek und seine Frau Zofia bleiben in der Heimatstadt Opole. - Jureks in Westdeutschland aufgewachsenen Enkel erzählen die Geschichte ihres Opas und der sonstigen Verwandten, und bei Besuchen in Opole (Oppeln) in Oberschlesien verdichten sich die Eindrücke über das frühere Leben unter kommunistischer Herrschaft. Das wird auf eine recht ungewöhnliche Art und Weise erzählt. Eine Geschichte voller Sarkasmus, Ironie, Spott und Melancholie; die Gräuel des Krieges und der Diktaturen erscheinen regelrecht weich gezeichnet und herabgemildert. Manches erscheint richtiggehend surreal. Eine bewegende, eindringliche, einfühlsame Geschichte in einer beeindruckenden Sprache mit dichter Atmosphäre. Ein Buch für anspruchsvolle Leser.

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Die vielen Tode unseres Opas Jurek

Matthias Nawrat
Rowohlt (2015)

406 S.
fest geb.

MedienNr.: 798876
ISBN 978-3-498-04631-6
9783498046316
ca. 22,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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