Messias

Im Einzugsbereich von Frankfurt, im Taunus, leben die Helmers. Vater Paul ist in der Werbebranche tätig; seine Frau Inge hat den Lehrerinnenberuf aufgegeben und gibt Fitness- und Gymnastikkurse in ihrer kleinen Heimatgemeinde. Außerdem Messias besucht sie häufig einen Heilpraktiker und Coach, der ihr wegen ihrer unspezifischen Beschwerden helfen soll. Die Tochter Judith versucht sich ohne Erfolg als Künstlerin. Als Kundenberater seiner Agentur wird Paul Helmer nach London beordert, wo er eine neue Kampagne befeuern soll. Es geht um eine Fluglinie in Oman, die ihren Sitz nach London verlegt. Helmer soll dem Inhaber Faisal für die Entwürfe der Agentur begeistern. Helmer genießt es, von zu Hause weg zu sein, ohne dass es daheim zu gravierenden Zerwürfnissen gekommen wäre. Seine Abwesenheit befördert aber das sich schon vorher abzeichnende Auseinanderdriften der Familie. - Der Autor zeichnet das Bild einer sich auflösenden Familie. Die Protagonisten sind in einem planlosen, sinnentleerten Umherirren auf der Suche; wonach genau, das wird nicht so recht klar. Die Erzählperspektiven wechseln, manche Handlungsfäden sind nicht immer klar gezeichnet. Der Buchtitel soll wohl auf "Universal Messiah" verweisen; jemand hat unkonkrete Vorstellungen und verspricht unrealistische Dinge. Die Sprache ist eher sperrig, aber trotzdem ist das Buch nicht so schwierig zu lesen, wobei es häufig englischsprachige Dialoge im Zusammenhang mit Paul Helmers Betätigungen gibt. Für Leser/innen von anspruchsvolleren Gesellschaftsromanen gut geeignet.

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Messias

Messias

Andreas Martin Widmann
Rowohlt (2018)

441 S.
fest geb.

MedienNr.: 895684
ISBN 978-3-498-04700-9
9783498047009
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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