Der traurige Gast

Ein namenloser Ich-Erzähler streift durch Berlin und lässt sich in Gespräche verwickeln. Da ist die polnische Architektin Dorota, die ihren Stadtteil Schönefeld nicht mehr verlässt. Sie bewirtet den Erzähler mit Gebäck, das Der traurige Gast von surreal gummiartiger Konsistenz ist. Sie erzählt ihm von ihrer Mutter und der wechselhaften Geschichte ihrer Zeit: In einem Teil Polens aufgewachsen, der heute zur Westukraine gehört, wurde sie nach dem Krieg ins deutsche Oppeln umgesiedelt, das heute in Polen liegt. Dort ist Dorota geboren, auch der Erzähler (und der Autor Nawrat ebenfalls). Dorotas Monologe driften ab in philosophische Gedanken über das Leben als sinnloses Treiben im All. Mehr und mehr sickern ihre Befindlichkeiten in das Empfinden des Erzählers ein, erzeugen in ihm ein Schwindelgefühl. - Auch in den Begegnungen mit anderen Menschen erfährt er mehr über ihr Unbehagen und ihre Zerrissenheit. Er selbst ist ein empathischer Zuhörer, der es auf sich nimmt, existenzielle Fragen zu stellen. Das ist irritierend und sperrig zu lesen. - Für anspruchsvolle Leser, die bereit sind, sich diesen Fragen zu stellen. (Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse)

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Der traurige Gast

Der traurige Gast

Matthias Nawrat
Rowohlt (2019)

298 S.
fest geb.

MedienNr.: 596720
ISBN 978-3-498-04704-7
9783498047047
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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