Die Buchhändlerin

Christa Schwertfeger erlebt noch während des Krieges, wie ihr Onkel Martin als Buchhändler wegen der Verbreitung schädlichen Schrifttums von der Gestapo abgeholt und ins KZ gebracht wird. Zunächst ungewollt, wächst sie in die Die Buchhändlerin Aufgaben einer Buchhändlerin hinein. Sie träumt von einem Germanistikstudium, ihre Mutter sieht sie jedoch als treusorgende Hausfrau und schickt sie zur Vorbereitung in die Bräuteschule. Die Situation in Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg ist alles andere als einfach, ganz alltägliche Dinge sind kaum zu kriegen. Außerdem kümmert sich die Familie noch um Heinz, ein Flüchtlingskind, das es ganz allein nach Frankfurt geschafft hat und in Christa eine Ersatzmutter findet. Christa schafft es schließlich, einen Studienplatz zu bekommen, ist aber enttäuscht, als sie merkt, dass Frauen dort keineswegs für voll genommen werden. Auch das Schicksal von Martin ist berührend. In der Geschichte ist sehr schön nachzufühlen, wie Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit den Umgang mit den schlimmen Erlebnissen in der Vergangenheit beherrschen. Auch die Ohnmacht Christas, in der Nachkriegszeit als Frau immer wieder an Grenzen zu stoßen, macht betroffen und ist aus heutiger Sicht unvorstellbar. Ines Thorn beschreibt ein lebendiges Bild einer der schwierigsten, aber auch hoffnungsvollsten Abschnitte der deutschen Geschichte. Ein wirklich bemerkenswertes Buch über eine Frau, die die damaligen Konventionen nicht hinnehmen wollte und auch über diese besondere Zeit des Aufbruchs und der Veränderungen. Unbedingt lesenswert!

Sonja Gast

Sonja Gast

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Buchhändlerin

Die Buchhändlerin

Ines Thorn
Rowohlt Polaris (2021)

334 Seiten
kt.

MedienNr.: 604883
ISBN 978-3-499-00515-2
9783499005152
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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