Die Listensammlerin

Wenn Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst und Wut unerträglich scheinen, schreibt Sofia Listen, auch, als ihre kleine Tochter unter Lebensgefahr operiert werden muss. Mit Listen wie "Typische Großmutter-Sätze" oder "Dinge, Die Listensammlerin die Anastasia sammelt" versucht sie, der Vergangenheit ihrer Familie nachzugehen, da weder ihre Großmutter noch ihre Mutter jemals über die Gründe für ihre Flucht nach Deutschland gesprochen haben. Erst als Sofia die Wohnung ihrer inzwischen dementen und im Altenheim lebenden Großmutter ausräumt, stößt sie auf eine Schachtel voller Listen, wie sie selbst sie schreibt, und die von ihrem Onkel Grischa stammen. Durch sie findet sie heraus, dass die Familie durch Grischas regimekritische Umtriebe fliehen musste. - Gorelik lässt ihre beiden Protagonisten abwechselnd zu Wort kommen, den Onkel in der ehemaligen Sowjetunion der 1950er und 1960er Jahre und die Nichte im heutigen Deutschland, wodurch sie die jeweiligen Perspektiven und die politisch-soziale Situation thematisiert. Mit den Notizen und inneren Monologen der beiden Figuren entfalten sich auch die sensibel und realistisch gezeichneten Figuren. Lesenswert.

Adelgundis Hovestadt

Adelgundis Hovestadt

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Listensammlerin

Die Listensammlerin

Lena Gorelik
Rowohlt-Taschenbuch-Verl. (2015)

rororo ; 23844
347 S.
kt.

MedienNr.: 581924
ISBN 978-3-499-23844-4
9783499238444
ca. 10,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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