Tod eines Kritikers

Nachdem der Gefechtslärm um die Veröffentlichung des neuen Romans von Martin Walser abgeflaut ist, kann sich nun endlich der Leser selbst ein Urteil bilden, was dran ist an den vielfach geäußerten Antisemitismusvorwürfen und den Tod eines Kritikers nicht minder häufig festgestellten literarischen Mängeln. Schon nach wenigen Seiten fällt auf, dass es Walser gar nicht erwarten kann, mit Deutschlands bildschirmbeherrschendem Literaturgroßkritiker abzurechnen. In einer köstlichen Parodie entlarvt er Marotten und Eitelkeiten Reich-Ranickis, kaum verhüllt lässt er Größen der deutschen Kulturschickeria agieren und intrigieren. Doch damit hat er sein Pulver weitgehend verschossen. Der Rest kann trotz der überraschenden Schlusswendung nicht so recht überzeugen und langweilt eher. - Direkt antisemitisch ist der Roman, wie auch Ulrich Greiner in der "Zeit" feststellte, nicht, wenn auch nicht zu übersehen ist, dass Walser genussvoll an einigen wenigen Stellen mit dem Tabubruch spielt und ihn, die Debatte vorwegnehmend, erörtert. So bleibt zumindest ein schaler Nachgeschmack über ein Buch, das besser nicht geschrieben worden wäre.

Tod eines Kritikers

Tod eines Kritikers

Martin Walser
Rowohlt Taschenbuch-Verl. (2009)

rororo ; 25226
269 S.
kt.

MedienNr.: 570546
ISBN 978-3-499-25226-6
9783499252266
ca. 10,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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