Der Papst, den ich gekannt habe

Der Ich-Erzähler verfügt über viele Sprachkenntnisse, brüstet sich, wichtige Leute zu kennen, absolviert sämtliche akademische Ausbildungen, bereist die ganze Welt, geht einer Vielfalt von Beschäftigungen nach, doch am Ende sitzt Der Papst, den ich gekannt habe er in einem westfälischen Provinznest fest und darf außer Erzählen nichts tun. Das lange Selbstgespräch klingt größenwahnsinnig und obwohl keine Heldentaten in seinem Leben zu verzeichnen sind, wird jede Banalität akribisch beschrieben. Keineswegs langweilt sich der Leser, er verfolgt amüsiert dieses unpathetische Leben und hegt für den halb Schelm halb Pechvogel sogar eine große Portion Sympathie. Irgendwie steht dieser Anti-Held für heutige Kosmopoliten, die zwar kultiviert, doch heimatlos durch die Welt irren, Erfahrungen sammelnd, die keinem nutzen, am wenigsten einem selbst. Und obwohl diese knappe, kurzweilige Erzählung nur für einen Nachmittag Lektüre bietet und so locker-heiter daherkommt, stimmt sie nachdenklich! - Überall einsetzbar.

Luísa Costa Hölzl

Luísa Costa Hölzl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Papst, den ich gekannt habe

Der Papst, den ich gekannt habe

Hans-Ulrich Treichel
Suhrkamp (2007)

118 S.
fest geb.

MedienNr.: 277221
ISBN 978-3-518-41932-8
9783518419328
ca. 6,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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