Max Frisch

Wir sehen sie 1963 und 1967 in Zürich: Max Frisch (1911-1991) und Friedrich Dürrenmatt, die klügsten Dichter ihrer Generation, Frisch mit der obligatorischen Pfeife, konzentriert, mit allen Sinnen da. Frisch, der Dürrenmatt zufolge Max Frisch seinen Fall zur Welt gemacht hat, ist ein Autor, der das Nachdenken liebt, erfundene Geschichten, wie er schreibt, "Entwürfe der Erfahrung, Bilder, wahr nur als Bilder". Solche Bilder zeigt der opulent bestückte und mit zwei Interviews abgerundete Band von Volker Hage, der schon 1983 eine Frisch-Biografie vorgelegt hat. Doch dieser Band ist etwas anderes: eine Annäherung in Fotografien aus allen Lebensstationen, aus Zürich, Rom, Berlin, New York; Bilder von Frischs Frauen (darunter Ingeborg Bachmann), Frisch in den Bergen, im Swimmingpool, am Schreibtisch, im Flugzeug, beim Tischtennis. Die Fotos, die Hage aus vielen Archiven zusammengetragen hat (es sind fast 300), sind knapp kommentiert. Sie erlauben es, sich ein Bildnis vom Autor zu machen, wenn man sich auf die Rollen einlässt, die er gespielt hat, zum Beispiel im Frontispiz: Max Frisch, der selbst im Zahnarztstuhl noch schmunzelt. Ein Bildnis, das Gegensätze aushält und das nachdrücklich dazu einlädt, sich mit den Dramen, Romanen und der Tagebuchprosa dieses bedeutenden Schweizer Weltautors zu beschäftigen, der die "Schrecken der Vollkommenheit" (Peter von Matt) so bildreich beschrieben hat. Ein prächtiger Band, für größere Bestände.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Max Frisch

Max Frisch

hrsg. von Volker Hage
Suhrkamp (2011)

256 S. : zahlr. Ill. (z. T. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 344776
ISBN 978-3-518-42212-0
9783518422120
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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