Schwarze Sonne scheine

Sebastian, der Ich-Erzähler dieses Romans, erzählt seinen zwanzig Jahre zurückliegenden doppelten Konflikt. Gegen den nachdrücklichen Wunsch der Eltern hat sich der ehemalige Klosterschüler gegen die Übernahme der väterlichen Schwarze Sonne scheine Anwaltskanzlei entschieden. Aber noch findet er nicht die Kraft zu einer klaren Auseinandersetzung mit ihnen. Auch die Beziehung zu seiner Freundin Klara ist ohne Fairness. Und in diese Lebensphase tritt, vermittelt durch seinen väterlichen Mentor, den Abt seines Schulklosters, die Diagnose einer scheinbaren Ärztin, dass er höchstens noch sechs Monate zu leben habe. Eine zweite Untersuchung widerlegt das scheinbar unausweichliche Todesurteil und entzündet bei Sebastian den Kampf auch gegen diesen Förderer seines Künstlerlebens. Eingebettet in die Zeitdiagnose des ersten Irakkrieges und der Wahl des ersten demokratischen Präsidenten Haitis, des ehemaligen Priesters Aristide, dokumentiert der Roman Abhängigkeiten in familiären, gesellschaftlichen und kirchlichen Autoritätsstrukturen, angefüllt mit Vertrauensmissbrauch und Übergriffen im Alltag eines Heranwachsenden. Alle Grundlagen des zwischenmenschlichen Vertrauens scheinen für Sebastian unerreichbar. - Ein ergreifender Blick in den Kampf um das Erwachsenwerden voller Reflexionen und Anfragen an den Lebenssinn insbesondere an die Personen und Institutionen, die junge Menschen begleiten. Tiefgründig, schwer und deshalb besonders lesenswert.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Borromäusverein.

Schwarze Sonne scheine

Schwarze Sonne scheine

Albert Ostermaier
Suhrkamp (2011)

287 S.
fest geb.

MedienNr.: 344773
ISBN 978-3-518-42220-5
9783518422205
ca. 22,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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