Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern

Hans Magnus Enzensberger gehört zu den ganz großen zeitgenössischen Schriftstellern in Deutschland. Immer wieder hat er sich auch mit oft sehr eigensinnigen, aber immer klugen Positionen in die politischen Debatten der Deutschen eingemischt. Ihn Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern in eine bestimmte politische Schublade zu stecken fällt schwer, weil er sich immer wieder klaren Einordnungen entzieht. In der Tradition des französischen Frühaufklärers Montaigne bevorzugt Enzensberger immer den Skeptizismus, die Ironie einschließlich der Selbstironie. In seinem neuen Buch versteckt er sich hinter der Figur des älteren Herrn Zett, der sich so seine eigenen Gedanken über moderne Zeiterscheinungen macht. In 259 oft kurzen Abschnitten ("Brosamen") denkt dieser altersweise, manchmal grantige, manchmal arrogante, manchmal witzige, manchmal skurrile ältere Herr über den Lauf der Zeit nach. Warum schätzen reiche Menschen den Minimalismus in der Kunst und arme Menschen barocke Bilder und kitschige Heiligenbildchen? Was verbindet Könige mit Heiratsschwindlern? Warum gilt ein Ignorant des Fußballs als Spielverderber? Warum könnte häufigerer und längerer Schlaf die Welt besser machen? Herr Zett alias Herr Enzensberger haben trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer noch eine unstillbare Sympathie für kindlich-naive Fragen über das Funktionieren der Welt im Großen und im Kleinen. Ein herrlicher und intelligenter Lektürespaß.

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern

Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern

Hans Magnus Enzensberger
Suhrkamp (2013)

226 S.
fest geb.

MedienNr.: 390895
ISBN 978-3-518-42387-5
9783518423875
ca. 15,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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