Vielleicht Esther

Die seit 15 Jahren in Berlin lebende Autorin begibt sich auf die Reise und sucht in Warschau und Kiew, in Österreich und an anderen europäischen Orten nach Spuren ihrer jüdischen Vorfahren. Petrowskaja erzählt Geschichten aus dem Vielleicht Esther Leben ihrer Urgroßmutter, eines Großonkels, des Großvaters, beider Großmütter und anderer Verwandter. Es sind traurige und schöne, amüsante und nachdenkliche Geschichten. Taubstummenlehrer und russische Revolutionäre finden sich unter den Vorfahren ebenso wie ermordete Juden - eine von ihnen die titelgebende Großmutter des Vaters, deren Vorname nicht ganz sicher überliefert ist. Dabei wird immer wieder klar, dass es die eine historische Wahrheit nicht geben kann, dass Erinnerungen höchst subjektiv sind - und dass sich dennoch wahrhaftige Geschichten damit erzählen lassen. Petrowskaja, die für einen Textauszug dieses Buchs den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013 erhielt, schreibt in einer ganz eigenen, sehr aufmerksamen Sprache. Einerseits wirken ihre oft langen Sätze wie gesprochen, wie Ideen und Assoziationen, die während des Sprechens entstehen. Andererseits sind ihre Ausdrücke sehr genau formuliert, werden die Bedeutungen der Wörter sehr bewusst reflektiert. Beispielsweise auf der Suche nacheinem Ausdruck in Mauthausen: "Unerträglich könnte man sagen. Es ist unerträglich. Doch für das Unerträgliche gibt es kein Wort. Wenn das Wort es erträgt, dann ist es auch erträglich." (S.247) Ein Buch, das man immer wieder neu lesen kann. Gerne für alle empfohlen, besonders für literarisch und historisch interessierte Leser.

Vielleicht Esther

Vielleicht Esther

Katja Petrowskaja
Suhrkamp (2014)

285 S.
fest geb.

MedienNr.: 403058
ISBN 978-3-518-42404-9
9783518424049
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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