Gebete

Schon ihr Name spricht für ihr Schicksal: Sie heißt Ladydi, nach der unglücklichen britischen Prinzessin, damit sie sich als Mädchen ja keine Hoffnung macht, einmal geliebt zu werden. Und in dem komplizierten Leben, das die verlassenen Gebete Frauen mit ihren Töchtern in dem Bergdorf führen, während ihre Männer in den USA neue Familien gegründet haben, gibt es auch wenig Hoffnung. Eines Tages bietet sich für die Jugendliche die Möglichkeit, als Kindermädchen in einer reichen Familie in Acapulco zu arbeiten. Auf der Fahrt wird sie Zeugin eines Mordes, ihre Arbeitgeber tauchen überhaupt nicht auf, aber das Leben in dem luxuriösen Haus mit jungem Gärtner und alter Haushälterin bietet vorübergehend einen annehmbaren Rahmen. Doch eines Tages steht die Polizei vor der Tür, findet Waffen und Rauschgift, und verhaftet die inzwischen schwangere 16-Jährige. - Gewalt, Missbrauch und enttäuschte Liebe, aber immer wieder Hoffen und Widerstand, der Versuch, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und ihm Sinn zu geben: das ist der Hoffnungsschimmer, der aus jeder Zeile in diesem detailgenau geschilderten Roman spricht, mit großer Sympathie für seine Protagonistinnen, die immer wieder bereit sind, neu anzufangen, wo auch immer sie sich gerade befinden, und wie ausweglos die Lage auch zu sein scheint. (Übers.: Nicolai von Schweder-Schreiner)

Lili Aignesberger

Lili Aignesberger

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Gebete

Gebete

Jennifer Clement
Suhrkamp (2014)

228 S.
fest geb.

MedienNr.: 405796
ISBN 978-3-518-42452-0
9783518424520
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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