Das Jahr magischen Denkens

"Mitten im Leben sind wir des Todes" (Seite 9) - ein Satz, der die Schriftstellerin Joan Didion im ersten Jahr nach dem überraschenden Tod ihres Mannes begleitet bei ihrem Versuch, das Unabänderliche in ihrem Leben zu verstehen, Das Jahr magischen Denkens zu akzeptieren und zu lernen, damit zu leben. Nach 40 Ehejahren stirbt John Gregory Dunne an einem Herzinfarkt, mitten in einem Satz, bei der Vorbereitung des Abendessens, nach einem Besuch im Krankenhaus, in dem Tochter Quintana auf der Intensivstation mit dem Leben ringt. Joan Didion beschreibt mitreißend, wie ein Mensch weiter funktioniert, Entscheidungen trifft und doch zutiefst vergraben in Trauer, der Welt entrückt, kämpft und wie der Verstand revoltiert. In vielen Erinnerungsfetzen setzt sie das Bild eines langen gemeinsames Lebens und Liebens zweier aktiver Autoren zusammen, deren Alltag vom gemeinsamen Gespräch bestimmt war, und beschreibt den Verlust, dabei kein Gegenüber mehr zu haben, das antwortet: "Und dennoch führte dieser Wunsch nach seiner Anwesenheit jedes Mal nur dazu, mir die endgültige Stille, die uns trennte, noch deutlicher zu machen. Jede seiner Antworten konnte nur in meiner Vorstellung existieren, von mir verfasst." (S. 218). - Ein empfehlenswertes Buch von großer Kraft und starken Gedanken.

Sabine Schaefer-Kehnert

Sabine Schaefer-Kehnert

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Jahr magischen Denkens

Das Jahr magischen Denkens

Joan Didion
Claassen (2006)

255 S.
fest geb.

MedienNr.: 259441
ISBN 978-3-546-00405-3
9783546004053
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, Fa
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