Die Menschheit hat den Verstand verloren

Sie wollte den Rest ihres Lebens (geboren 1907) dann doch lieber "Heil Hitler!" sagen, als die Russen in ihrem Heimatland Schweden haben zu müssen. Das notierte Lindgren 1940 in einer von insgesamt 17 nicht tagtäglich handbeschriebenen Die Menschheit hat den Verstand verloren und mit Zeitungsausschnitten beklebten Kladden. Sie sind nun, prominent übersetzt von Angelika Kutsch und Gabriele Haefs, mit Personenregister und Quellenverzeichnis im Anhang, auf Deutsch erschienen. Statt des Original-Vorworts entschied sich der Verlag für ein gut informierendes und einführendes von Antje Ravic Strubel. Der Zeitraum: 1. September 1939 ("Heute hat der Krieg begonnen, niemand wollte es glauben") bis Silvester 1945. Die kluge Schreiberin, die sich als witzig, freiheitlich gesonnen, politisch in hohem Maße interessiert und urteilsfähig erweist, reflektiert das Weltkriegs-Geschehen mit kritischem Blick auf das (neutrale) eigene Land. Sie nimmt dabei kleine Alltäglichkeiten ernst, leidet unter der Treulosigkeit ihres Mannes Sture, ist auf Familie und Kinder bedacht (sie hat, neben Karin von Sture, den Sohn Lasse aus einer frühen, bald bereuten Verbindung) und erlebt, bei Kriegsende, eine sich in den Eintragungen bereits ankündigende produktive Schaffensperiode: 1945 erscheint "Pippi Langstrumpf" bei Rabén och Sjögren. - Das vorzüglich edierte Buch erhielt bibliophilen Charakter durch den Abdruck von Originaltexten in Faksimile mit anschließender deutscher Übersetzung. Historiker, Literaten und Lindgren-Fans haben an dieser Ausgabe ihre helle Freude.

Hans Gärtner

Hans Gärtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Menschheit hat den Verstand verloren

Die Menschheit hat den Verstand verloren

Astrid Lindgren
Ullstein (2015)

573 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 799088
ISBN 978-3-550-08121-7
9783550081217
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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