Was aus uns geworden ist

Zu Beginn seines Romans lässt André Herzberg ein namenloses "Ich" in seiner ganzen Verwirrtheit und tief empfundenen Einsamkeit sprechen. Es weiß, dass Schicksale sich niemals ganz gleichen können, denn jedes Erleben Was aus uns geworden ist ist individuell und einzigartig. Dennoch sucht dieses "Ich" nach Antworten, nach Zugehörigkeit, nach Gemeinsamkeit, nach Sinn, indem es vom Leben einiger Menschen erzählt, die eines eint: Sie alle haben im Sozialismus gelebt, müssen sich nach der Wiedervereinigung noch einmal von Neuem finden und sind Juden. Da ist die Elterngeneration, die den Holocaust überlebt hat und die, voller Hoffnung, im sozialistischen Teil Deutschlands leben wollte. Und da sind die Kinder, die das schwere Erbe ihrer Eltern auf ganz unterschiedliche Weise mit sich tragen. Es ist besonders die Person Jakobs und die seiner Mutter Lea, die die Erzählung prägen; die fünf anderen Schicksale werden immer wieder aufgegriffen und weiterverfolgt. André Herzberg schreibt aus dem unmittelbaren Erleben seiner jeweiligen Figuren heraus, bleibt dabei aber immer in der Personalform. Seine Sprache wirkt schnörkellos und durch die nur spärlich eingesetzte Interpunktion recht assoziativ. Es erfordert schon ein gewisses Maß an Konzentration, um den oft nur angedeuteten Orten, Zeiten und Zusammenhängen folgen zu können. Aber das Lesen lohnt sich. Es lässt ein vielschichtiges Bild vom Leben in der ehemaligen DDR entstehen und findet mit Jakob, der ganz besonders mit seinem "Jüdisch-Sein" ringt, doch noch eine hoffnungsvolle Lebensperspektive. Ein durchaus autobiografisch gefärbtes Buch, das in seiner Emotionalität berührt. Empfehlenswert!

Barbara Nüsgen-Schäfer

Barbara Nüsgen-Schäfer

rezensiert für den Borromäusverein.

Was aus uns geworden ist

Was aus uns geworden ist

André Herzberg
Ullstein (2018)

237 S.
fest geb.

MedienNr.: 878999
ISBN 978-3-550-08164-4
9783550081644
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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