Rico, Oskar und das Mistverständnis

Da scheint es Ärger zu geben. Unvorstellbar, aber allein die Illustration auf dem Cover des neuen (und letzten) Bandes um den Tiefbegabten Rico und den nicht minder speziellen Oskar macht das ziemlich deutlich. Während bei den vier Rico, Oskar und das Mistverständnis Vorgängern die beiden mehr oder weniger glücklich als Buddies einander zugewandt sind oder zumindest in die gleiche Richtung blicken, springt uns die schlechte Stimmung zwischen den beiden bei "Rico, Oskar und das Mistverständnis" potenziert entgegen. Was ist hier passiert? Nun, Oskar ist eifersüchtig, denn Rico ist zum ersten Mal so richtig verliebt und als bester Freund fühlt sich Oskar ein wenig zurückgesetzt. Er inszeniert sogar einen eigenen kleinen Unfall, um Rico an sich zu binden. Rico durchschaut die Sache nach einer Weile. Klar, dass er Oskar zur Rede stellt. Und an so einer kleinen Szene kann sich dann mal wieder die ganze Lebensklugheit Ricos beweisen. "Es ist nicht gut, jemanden, mit dem man kritisch reden will, gleich mit einem Vorwurf zu begegnen. Man muss erst etwas Nettes zu ihm sagen, denn dann weiß er, dass man sich mit ihm nur deshalb streitet, weil man ihn eigentlich sehr gerne mag." (S. 88) Trotz dieser Vorgehensweise eskaliert es zwischen den beiden und sie sind erstmal so richtig verkracht. Und das, wo sie doch gerade jetzt zusammenarbeiten müssten: es droht der Verkauf ihres heiligen Spielplatzes. Das muss natürlich verhindert werden. Es riecht von Anfang an verdächtig nach Kriminalfall, denn es gibt "eine rote Frau", die Rico sofort an Dracula denken lässt, ihres Zeichens "die Spielplatzgehörerin", einen verschollenen Bruder, der für tot erklärt werden soll und einen raffzahnigen Neffen. Aber Rico muss nun erstmal allein mit der Gang ermitteln und muss dafür ins Herz der Finsternis reisen, mutig (gemeinsam mit seiner Müffelchenbereiterin Frau Dahling und dem Checker, der erstaunlich klarsichtig über Freund-Freunde und Kumpel-Freunde doziert) mitten hinein in die "vulkanische Todeszone": nach Nordhessen. Brillant, was sich Andreas Steinhöfel für seinen Abschlussband hat einfallen lassen. Rico erzählt gewohnt souverän vom Lauf der Dinge, wird aber zusätzlich zum Schriftsteller, indem er den Kriminalfall auch in Hedwig Kurzmaler-Stil zum realen Geschehen erzählt und in diesen Einschüben Oskar in Berlin ermitteln lässt. Spannend und sprachgewaltig. Lustig und herzerwärmend. Ich möchte nicht von Rico und Oskar Abschied nehmen, kann aber auch hier von Rico lernen: "Aber so war das eben, Dinge verändern sich, und wenn etwas zu Ende geht, entsteht ja auch Platz für Neues. So hatte ich es kürzlich Samira erklärt, als ihr letzter Milchzahn in einem gelben Wachsmalstift stecken geblieben war, auf dem sie rumgekaut hatte." (S. 326) Für alle Bestände, unbedingte Empfehlung!

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Rico, Oskar und das Mistverständnis

Rico, Oskar und das Mistverständnis

Andreas Steinhöfel ; mit Bildern von Peter Schössow
Carlsen (2020)

331 Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.

MedienNr.: 602111
ISBN 978-3-551-55783-4
9783551557834
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 10
Systematik: K
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