Junker

Die Familie von Schlitt lebt seit Generationen auf einem Gutshof irgendwo in Preußen. Standesbewusstsein, manchmal auch Standesdünkel, bestimmen ihren Umgang mit den Pachtbauern und dem Personal. Ludwig lebt schon als Kind in dem Junker Zwiespalt zwischen Akzeptanz und Rebellion gegen Ungerechtigkeiten, während sein Bruder Oswald immer wieder seinen Stand gegen Untergebene ausspielt. Beide erlebt der Leser in der königlich-preußischen Kadettenanstalt. Es ist die strenge Ordnung dieser Welt, die Ludwig fasziniert. Eine gleiche Ordnung findet er in dem neu entwickelten Maschinengewehr, zu dessen Wartung er bestimmt wird. Und dann nimmt die Geschichte einen anderen als den historisch verbürgten Verlauf - mit gleichem Resultat, nämlich dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Der flämische Autor hat hier eine überraschend deutsche Geschichte entwickelt, bei der der Leser gezwungen wird, zwischen Bewunderung und Ablehnung der alten preußischen Werte eine eigene Meinung zu bilden. Der Untertitel weist hin auf die Tragik, ohne eine Vorverurteilung des Lebensstils. Und die grau-schwarzen Zeichnungen führen Menschen vor, deren Schuld darin bestehen könnte, sich nicht aus dem Grau zu befreien. Als besonderer zeichnerischer Kniff sind nur die Gesichter derer von Schlitts mit individueller Mimik versehen, alle anderen tauchen als Silhouette oder als einfache Smileys auf. Der Comic kann als ungewöhnlicher Beitrag zu Themen wie Militarismus und vor allem der Frage nach den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens empfohlen werden - braucht allerdings erfahrene und besonders interessierte Leser.

Lotte Schüler

Lotte Schüler

rezensiert für den Borromäusverein.

Junker

Junker

Simon Spruyt
Carlsen (2016)

Graphic Novel
[o. P.] : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 583013
ISBN 978-3-551-76320-4
9783551763204
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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