Guantanamo Kid

Kurz nach dem 11. September 2001 wird in Pakistan ein junger Zuwanderer verhaftet und vom dortigen Geheimdienst als mutmaßlicher Angehöriger der Terrorgruppe Al-Quida an die Amerikaner verkauft. Mohammed el Gharani, dessen Familie Guantanamo Kid aus dem Tschad stammt und der in Saudi-Arabien groß geworden war, war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Unschuldig landete el Gharani schließlich in dem berüchtigten amerikanischen Sondergefängnis Guantanamo, in dem die Menschenrechte systematisch missachtet wurden und die Inhaftierten rechtlos der Willkür ihrer Aufseher ausgeliefert waren. Erst nach 7,5 langen Jahren kam er auf amerikanischen Gerichtsbeschluss hin frei und wurde schließlich in das Herkunftsland seiner Vorfahren, den Tschad, abgeschoben. Mit dem gescheiterten Versuch, nach Saudi-Arabien zurückzukehren, endet die in einem einfachen Stil und trotz der überaus ernsten Thematik mit manchem situativen Witz gezeichnete Bilderzählung, die auf jahrelange Recherchen des Journalisten Jérôme Tubiana zurückgeht. Im Nachwort erfährt man, dass die Odyssee des für sein Leben gezeichneten el Gharani durch verschiedene afrikanische Länder bis heute anhält. - Auch wenn die Erzählung sicherlich einen subjektiv gefärbten Blick auf die Verhältnisse in Guantanamo liefert, man ist bei der Lektüre erschüttert darüber, wie in diesem rechtsfreien Raum westliche Werte mit Füßen getreten wurden (und vermutlich noch werden) und wie dilettantisch amerikanische Militärs und Geheimdienstler teilweise nach dem 11. September bei der Verfolgung von Terroristen vorgegangen sind. Eine aufrüttelnde Bilderzählung, die man sich in vielen Büchereien wünscht.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Guantanamo Kid

Guantanamo Kid

Jérôme Tubiana ; Alexandre Franc
Carlsen (2019)

graphic novel
171 S. : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 596201
ISBN 978-3-551-772527
9783551772527
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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