Die guten Tage

Vor zehn Jahren verließ der Ich-Erzähler seine Heimatstadt Belgrad, um in Wien ein neues Leben zu beginnen. Doch zur Beerdigung seiner geliebten Großmutter kehrt er zurück und reflektiert während der Fahrt mit dem täglich zwischen Die guten Tage Wien und Belgrad verkehrenden Bus die Geschichte seines Landes. Erinnerungen an die Schulzeit werden wach, an die Passivität und Abhängigkeit der Frauen, aber vor allem an die gewalttätige und nationalistisch geprägte Persönlichkeit des Vaters. Konfrontiert mit dem ungehobelten Verhalten anderer Busreisender, aber auch herausgefordert durch die Erzählungen eines Sitznachbarn, der sich als Schriftsteller entpuppt, stellt sich der Protagonist seinen eigenen Prägungen und vor allem den enttäuschten Hoffnungen der jungen Generation Serbiens. In präziser, bildreicher Sprache schildert Marko Dinic die Zerrissenheit der Menschen auf dem Balkan und ihre Unfähigkeit, den Krieg und ihre persönliche Vergangenheit aufzuarbeiten. Schonungslos wird die herrschende Gewalt, Verwahrlosung und Perspektivlosigkeit angesprochen. Doch es gibt auch Hoffnung, und das Buch endet mit der Erkenntnis, dass auch die starren Hüllen verhärteter Strukturen und Persönlichkeiten aufbrechen können und mit der Zeit Veränderung möglich wird. Sehr lesenswert.

Vanessa Görtz-Meiners

Vanessa Görtz-Meiners

rezensiert für den Borromäusverein.

Die guten Tage

Die guten Tage

Marko Dinic
Zsolnay (2019)

238 S.
fest geb.

MedienNr.: 596173
ISBN 978-3-552-05911-5
9783552059115
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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