Vom Land

Die sechzigjährige Bäuerin Theresa liegt zusammengekrümmt auf dem Sofa im Wohnzimmer ihres Hofes in Oberösterreich. Sie kann kein Essen bei sich behalten und spricht nicht. Ihre Familie sorgt sich sehr um sie. Der Hausarzt kann Vom Land nichts feststellen, ein hinzugezogener Heiler rät ihr, den Koffer zu packen, und sich Zeit für sich selber zu nehmen. Am Krankenbett der Mutter müssen die drei Kinder feststellen, dass sie sich nichts zu sagen haben. Der Ehemann Erwin kann nicht verstehen, dass keins der Kinder den Hof übernehmen will. - Der junge österreichische Schriftsteller Dominik Barta (Jahrg. 82) hat für seinen Debütroman die Provinz als literarischen Ort gewählt. Hier verdichten sich aktuelle gesellschaftliche Probleme. Im Dorf gibt es ein altes Gasthaus, in dem Geflüchtete untergekommen sind. Die Dorfbewohner haben Angst vor Überfremdung und begegnen den Zugezogenen mit großem Misstrauen. Theresas Enkel Daniel lernt bei seinen Streifzügen durch den Wald den 16-jährigen Syrer Toti kennen. Die beiden Jungen bauen sich zusammen ein Baumhaus, ein romantisches Bild für eine mögliche Zukunft. Denn im Alltag herrscht Sprachlosigkeit, innerhalb der Familie und innerhalb des Dorfes. Die Bäuerin Theresa ist ein Beispiel für einen Menschen, der in ein Leben hineingeworfen wurde, das er sich nicht ausgesucht hat und aus dem er letztlich keinen Ausweg sieht. Ein Debüt, das nachdenklich macht. Allen Büchereien gerne empfohlen.

Susanne Emschermann

Susanne Emschermann

rezensiert für den Borromäusverein.

Vom Land

Vom Land

Dominik Barta
Paul Zsolnay Verlag (2020)

163 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 944507
ISBN 978-3-552-05987-0
9783552059870
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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