Niemand weiß, wie spät es ist

Nora Weilheim lebt in Paris als Single; ihre journalistische Tätigkeit brachte ihr bis dato keinen nennenswerten Erfolg. Ihr Vater hinterlässt ihr nach dem Tod seine noble Wohnung und einiges Geld. Allerdings weist das Testament Niemand weiß, wie spät es ist eine Besonderheit aus. Sie muss die Urne mit seiner Asche auf eine Wanderung in Österreich mitnehmen. Jeden Morgen erhält sie vom Notar spezielle Anweisungen für den neuen Tag und als Begleiter wird ihr ein Notariatsgehilfe namens Bernhard Petrovits aus Wien zur Seite gestellt. Widerwillig macht sie sich auf die Reise; ihr Begleiter entpuppt sich als pedantischer Veganer, Nichtraucher, der allen Genüssen abhold ist. Je mehr ihr dieser etliche Jahre jüngere Akademiker auf die Nerven geht, desto unlogischer und sturer wird ihr Verhalten. Dadurch gerät das ungleiche Paar in absonderliche und auch gefährliche Situationen. Doch Bernhard, das muss Nora unwillig anerkennen, kann mit vielen unerwarteten Begebenheiten und drohenden Umständen viel besser umgehen als sie selbst. Nach etlichen Tagen ist es eine letzte Botschaft, die dem Leben beider eine neue Wendung gibt. - Eine sehr ungewöhnliche Erzählung mit vielen, teilweise auch skurrilen Einfällen. Ernst wird es immer dann, wenn Nora und Bernhard die Botschaften des Vaters lesen bzw. hören. Da wird viel über den Sinn des Lebens und die Vergangenheit philosophiert. Das Geheimnis des Vaters mit seiner Lebenslüge ist der Kern der Geschichte; die Auflösung gibt es ganz zum Schluss. Eine unterhaltende Geschichte, flüssig, kurzweilig erzählt, mit mehr Witz, Ironie und Sarkasmus als Ernsthaftigkeit und poetischen Passagen. Überall gut einsetzbar.

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Niemand weiß, wie spät es ist

Niemand weiß, wie spät es ist

René Freund
Deuticke (2016)

270 S.
fest geb.

MedienNr.: 829163
ISBN 978-3-552-06326-6
9783552063266
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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