Siebeneinhalb Leben

Das literarische alter ego des Autors Henisch, Paul Spielmann, schreibt gerade an seiner Biographie, versonnen auf einer Parkbank sitzend, als ihn ein Mann distanzlos stört und sich als Max Stein vorstellt, die Figur, die in Spielmanns Siebeneinhalb Leben längst erfolglos erschienenem Roman "Steins Paranoia" als Protagonist auftaucht. Stein beschwert sich, dass seine Person im Buch verfälscht auftaucht und verlangt eine Umschreibung, wenn nicht berichtigende Fortschreibung. Spielmann ist irritiert, verärgert und flieht. Ambivalent in seinen Gefühlen, entkommt er jedoch seiner Figur Stein und damit der zur Realität gewordenen Fiktion nicht und beginnt ein Spiel mit sich, seinen literarischen Werken und seiner Umwelt, wo nun Sein und Schein nicht mehr zu unterscheiden sind. - Die sensationell ausgeklügelte Novelle spielt auf mehreren Ebenen und taucht das Verhältnis des Autors zu seinen Figuren, das Zusammenspiel zwischen Erfundenem und Erlebten und die Wirklichkeit politischer Entwicklungen vor Handlungen und Haltungen der Gesellschaft in erhellendes Licht. Dies geschieht alles hintergründig und auf hohem künstlerischen Niveau. Bei alledem bleibt "Siebeneinhalb Leben" gut und flüssig zu lesen und bereitet neben Gedankenimpulsen großes Vergnügen. Ein Kunstwerk. Genial.

Christine Vornehm

Christine Vornehm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Siebeneinhalb Leben

Siebeneinhalb Leben

Peter Henisch
Deuticke (2018)

126 S.
fest geb.

MedienNr.: 595426
ISBN 978-3-552-06380-8
9783552063808
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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