Ich war der Lärm, ich war die Kälte

Die 15-jährige Lexi hat (k)ein Problem: manchmal kann sie ziemlich wütend werden. So wütend, dass sie mit Stühlen wirft und Fensterscheiben zertrümmert. Woher ihre Wut kommt, interessiert dabei niemanden. Dass sich dahinter eine Ich war der Lärm, ich war die Kälte Reaktion auf das Verhalten ihres narzisstischen Stiefvaters verbirgt, erkennt ihre Umgebung nicht. Ihre furchtbar schwache Mutter ist viel zu sehr damit beschäftigt, diesem Mann zu gefallen, koste es, was es wolle. Das Rollenbild, das sie ihrer Tochter vorlebt, ist wirklich desaströs und es führt unter anderem dazu, dass sich Lexi nackt vor ihrem drei Jahre älteren Stiefbruder wiederfindet. In den ist sie eigentlich schon immer verliebt … Es führt dazu, dass Lexi meint, sich mit ihren Wutanfällen schützend vor die kleinere Stiefschwester stellen zu müssen … Es führt dazu, dass Lexi gezwungen wird, sich medikamentös behandeln zu lassen. Der eigentlich Gestörte und Verursacher des Ganzen, ihr Stiefvater John, bleibt fast bis zum Schluss der große Held. Jenny Downham mutet ihrer weiblichen Hauptfigur wirklich einiges zu und es irritiert, wie viele Personen um sie herum immer wieder wegschauen. Selbst wenn Lexi vom Chef ihres Stiefvaters auf einer Feier sexuell belästigt wird. Sprachlich verspricht der deutsche Titel "Ich war der Lärm, ich war die Kälte" leider mehr Atmosphäre, als der Text dann halten kann: "Ich fühlte mich verlassen, wie ein leerer Bahnhof oder eine ausgetrunkene Tasse." (Seite 348)

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Ich war der Lärm, ich war die Kälte

Ich war der Lärm, ich war die Kälte

Jenny Downham ; aus dem Englischen von Astrid Arz
cbj (2020)

429 Seiten : Illustration
fest geb.

MedienNr.: 601936
ISBN 978-3-570-16582-9
9783570165829
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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