Die Hälfte der Sonne

Der Unabhängigkeitskrieg Biafras im Osten von Nigeria in den sechziger Jahren des 20. Jh. bildet den Rahmen für die Geschichte einer intellektuellen Mittelstandsfamilie in Nigeria. Geschildert wird das Leben des Hausboys eines Hochschullehrers, Die Hälfte der Sonne dessen Frau, ihrer Zwillingsschwester und deren Freund, eines englischen Schriftstellers. In der wunderbaren Figur des kleinen Hausboys Ugwu wird deutlich, was es für einen Jungen vom Land bedeuten mag, mit der Moderne konfrontiert zu werden. Wer mit Geistern und Medizinmännern aufgewachsen ist, für den sind die Requisiten der europäischen Zivilisation gleichermaßen unheimlich wie faszinierend. Liebeswirren, Streit und Versöhnung, Diskussionen um Politik und Literatur - in diesem ganz normalen Alltag kann man schon die sich anbahnende Katastrophe ahnen, bis der Unabhängigkeitskrieg über das Idyll hereinbricht, der 1970 mit der Kapitulation der christlichen Igbo endet und etwa 2 Millionen Menschen das Leben kostet. Besonders die Bilder von der kriegsbedingten Hungersnot mögen vielen Lesern noch geläufig sein. Der Autorin geht es nicht um die Frage, wer Schuld an dem Krieg hat; sie interessiert sich vielmehr dafür, was der Krieg mit und aus den Menschen macht. Es gelingt ihr ein bisschen Hoffnung auf ein besseres Afrika zu machen, trotz der Verheerungen des Krieges, die sie schildert. Ein Roman, der den Leser in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt. Unbedingt empfehlenswert. (Übers.: Judith Schwaab)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Hälfte der Sonne

Die Hälfte der Sonne

Chimamanda Ngozi Adichie
Fischer Taschenbuch (2016)

639 S.
kt.

MedienNr.: 587794
ISBN 978-3-596-03548-9
9783596035489
ca. 14,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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