In Shit-Gewittern

"Wir befanden uns am Anfang einer großen Renaissance öffentlicher Demütigungen." So beschreibt der Journalist das Thema seines Buches: den Online-Pranger im Internet und in den Sozialen Medien. Wie geht es einer Frau, In Shit-Gewittern über die öffentlich auf Twitter geschrieben wird "Gleich werden wir sehen, wie die Schlampe gefeuert wird"? Diejenigen, die so befeindet werden, haben sich meist etwas zuschulden kommen lassen - ein Plagiat, einen sexistischen oder rassistischen Witz, eine Sex-Affäre. Jon Ronson besucht diese Opfer. Er beschreibt, wie die öffentlichen, millionenfachen Demütigungen und Beleidigungen deren Leben zerstörten. Er fragt aber auch nach, warum andere diesen Shitstorm relativ unbeschadet überstehen. Er geht zu den Tätern, den Bloggern und Netz-Aktivisten, er untersucht das Phänomen des "öffentlichen Prangers", hinterfragt die Theorie der "Massenhysterie". Er fragt auch diejenigen, die professionell mit Scham und Demütigung arbeiten: Richter, Psychologen, Prostituierte und Dienstleister im Netz. Der Autor bezieht sich vornehmlich auf Skandale in England und Amerika. Dennoch sind Buch und Thema auch in Deutschland hochaktuell. Dazu kommt, dass es für den normalen Nutzer gut verständlich geschrieben ist - sachlich und nüchtern. Gleichzeitig zeigt der Autor als Biograf das, was er im Netz vermisst: Empathie. Und so ist das Buch kein Lehrbuch mit Tipps zum Umgang mit den Sozialen Netzwerken, sondern eher ein Buch, das nachdenklich macht und alle einlädt, das eigene Verhalten und die aktuellen Entwicklungen kritisch zu reflektieren.

Birgit Stollhoff

Birgit Stollhoff

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

In Shit-Gewittern

In Shit-Gewittern

Jon Ronson
Tropen (2016)

330 S.
kt.

MedienNr.: 587342
ISBN 978-3-608-50235-0
9783608502350
ca. 14,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Te
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