Termini

Rom im Sommer 1996: Der junge Journalist Ansgar Weber kommt nach Rom, um für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über den Prozess gegen den Nazi-Kriegsverbrecher Erich Priebke zu berichten. Dieser war 1944 als Offizier Termini am Massaker in den ardeatinischen Höhlen beteiligt, bei dem in einem grausamen Racheakt für ein vorausgegangenes Partisanenattentat 335 Geiseln getötet wurden. Doch der aufsehenerregende Priebke-Prozess ist nicht der einzige Grund für Ansgars Romreise. Von der Tochter seines Chefs, Ellinor, erfährt er, dass die totgeglaubte deutsche Schriftstellerin Lydia Marin, die in der Nachkriegszeit als literarisches Gewissen der Deutschen gefeiert wurde, in Rom lebt. Ein Interview mit der exzentrischen alten Dame soll seiner Karriere den nötigen Schub verleihen. Zwar stimmt Lydia dem Interview zunächst zu, doch dann legt sie Ansgar herein und ist für ihn erneut unerreichbar. Während Ansgar auf der Suche nach seiner verlorenen Chance durch Rom streift, wird Priebke freigesprochen. In der Stadt bricht ein Hexenkessel los und Angsar ist plötzlich in höchster Gefahr. - Dieckmanns Schilderung ist von unglaublicher sprachlicher Intensität, allerdings ist "Termini" keine leichte Lektüre, denn das Rom, das sie uns schildert ist ein schmutziges, drückend heißes Labyrinth, in dem sich der junge Journalist auf der Suche nach dem großen Coup zu verlieren droht. Immer wieder begegnet Ansgar dem unheimlichen Walter, einem Falschspieler und Wahrsager, dessen ständige Zitate aus Dantes Inferno wie eine dunkle Prophezeiung über dem deutschen Reporter hängen. - Insgesamt ein wirklich beeindruckender Roman, der aber alles andere als leicht zu verdauen ist.

Stefanie Brösigke

Stefanie Brösigke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Termini

Termini

Dorothea Dieckmann
Klett-Cotta (2009)

314 S.
fest geb.

MedienNr.: 316901
ISBN 978-3-608-93660-5
9783608936605
ca. 21,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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