Zeit der Asche

Aus der Perspektive dreier Frauen erzählt der mexikanische Autor von den großen Umbrüchen des ausgehenden 20. Jh.: von Tschernobyl, dem Fall der Berliner Mauer, dem Niedergang des Sowjetreiches, von bakteriologischer Kriegsführung, Zeit der Asche von Genforschung und vom Aufblähen virtueller Kapitalmärkte. Da sind zunächst die russische Biologin Irina, verheiratet mit Arkadi Granin, einem Dissidenten und späteren Aufsteiger in der Jelzin-Ära, und ihre gemeinsame Tochter Oksana, eine Dichterin. Außerdem die Amerikanerin Jennifer, Ökonomin beim Internationalen Währungsfond und dort befasst mit Dritte-Welt-Finanzprojekten. Ihr skrupelloser Ehemann Jack Wells arbeitet sich zum schwerreichen Biochemie-Unternehmer hoch, der mit der Humangenom-Entschlüsselung zu Beginn der 90er Jahre das ganz große Geld verdienen will. Die dritte ist Éva, gebürtige Ungarin. Die hochbegabte, psychisch labile IT-Spezialistin ist der künstlichen Intelligenz auf der Spur, arbeitet in Berlin und in den USA. Alle drei stehen in Verbindung mit wissenschaftlichen Forschungsprojekten zum bakteriologischen Krieg und zur Gentechnik. Und schließlich ist da noch der Ich-Erzähler Juri, ein Kriegsveteran und späterer Globalisierungsgegner und Journalist, der zum Mörder wird. Starke Charaktere, hohes literarisches Niveau und atemlose Spannung zeichnen den faszinierenden, überbordenden Roman aus, der es seinen Lesern nicht leicht macht, den Überblick zu behalten und Reales und Fiktives zu trennen. Anspruchsvolle Leser werden ihn nicht aus der Hand legen. (Übers.: Kirstin Bleiel, Catalina Rojas Hauser)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Zeit der Asche

Zeit der Asche

Jorge Volpi
Klett-Cotta (2009)

510 S.
fest geb.

MedienNr.: 308255
ISBN 978-3-608-93701-5
9783608937015
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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