Koloratur

Die Ich-Erzählerin erzählt die Geschichte ihres Großvaters Ge Ren, eines Dichters und Volkshelden Chinas aus dem japanisch-chinesischen Krieg. Ihren persönlichen Bericht unterbricht sie immer wieder, um die Geschichte aus drei Koloratur Perspektiven erzählen zu lassen: aus der eines kommunistischen Arztes, eines Spions und eines Nationalisten im Geheimdienst der Kuomintang, der Chinesischen Nationalpartei, die von 1927 - 1949 auf dem chinesischen Festland regierte. Dieser ständige Perspektiven- und auch Zeitwechsel, die vielen fremden Namen und die detaillierten Schilderungen und Wiederholungen verwirren den westlichen Leser und erschweren die Lektüre. Wer sich allerdings die Mühe macht, der komplexen Konstruktion zu folgen, wird reich belohnt mit einem Einblick in chinesische Denkweisen, in die Zeit der Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Kuomintang und in die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit einer objektiven Geschichtsdarstellung. Der Autor zeigt mit diesem Roman, dass es über die historische Bedeutung einer Person nicht nur eine Wahrheit geben kann. Ein literarisch herausragender Roman; anspruchsvollen Lesern sehr empfohlen. (Übers.: Thekla Chabbi)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Koloratur

Koloratur

Li Er
Klett-Cotta (2009)

440 S.
fest geb.

MedienNr.: 316899
ISBN 978-3-608-93794-7
9783608937947
ca. 24,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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