Die autoritäre Revolte

Der durch eine einschlägige Monografie über Möller van den Bruck bekannt gewordene Historiker und Publizist legt mit dieser für den Leipziger Buchpreis nominierten Untersuchung eine fundierte, auch sprachlich anspruchsvolle Analyse Die autoritäre Revolte der "Neuen Rechten" vor, die jedoch weit hinausgeht über eine bloße Beschreibung aktueller Phänomene und Akteure (AFD, Pegida etc.), insofern sie die ideengeschichtlichen und personellen Vorläufer der heutigen Rechten in großer Akribie untersucht und deren Gedankengut im neuen Gewande identifiziert (Oswald Spengler, Ernst Jünger, Carl Schmitt, Armin Mohler ...). So wird z.B. in großer Ausführlichkeit der gegenwärtig von der Rechten verwendete und missbrauchte Kampfbegriff Abendland analysiert und dekonstruiert. Die Analyse des Autors dürfte für viele Leser durchaus überraschende Ergebnisse zeitigen, dass z.B. "der fundamentalistische Islam selbst Teil jener "Konservativen Revolution" ist (S. 258), dass sich demzufolge die Neue Rechte dem Islam näher fühle als einem westlichen Universalismus. (Das ist übrigens eine der zentralen Aussagen in Michel Houllebecqs Roman "Unterwerfung", worauf der Autor zu Recht hinweist.) Amerika und die westliche Zivilisation samt dem Glauben an universale Menschenrechte, desgleichen die europäische Integration werden von identitären Bewegungen erbitterter bekämpft als ein autoritäres Regime vom Schlage Putins, dem man sich auch in geopolitischer Hinsicht nahe fühlt. - Die sehr sachlich und ganz und gar unpolemisch gehaltene und sorgfältig recherchierte Untersuchung ist politisch Interessierten nachdrücklich zu empfehlen.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die autoritäre Revolte

Die autoritäre Revolte

Volker Weiß
Klett-Cotta (2017)

303 S.
fest geb.

MedienNr.: 589078
ISBN 978-3-608-94907-0
9783608949070
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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