Die Unschärfe der Welt

Dies ist die Geschichte einer Großfamilie aus dem rumänischen Banat. Im Mittelpunkt steht Samuel, geboren in den siebziger Jahren, den die Leser/-innen im Verlauf des Romans aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen. Sie sehen Die Unschärfe der Welt ihn mit den Augen seiner Mutter Florentine, einer schweigsamen, liebevollen Frau, seines Vaters Hannes, dem evangelischen Pfarrer des Dorfes, der wegen vieler Kontakte zu Ausländern bei der Securitate angeschwärzt wird, mit denen von Stana, mit der er seit Kindertagen befreundet ist und die ihn sein Leben lang begleiten wird. Sie sagt über Samuel, er ginge mit Worten um, "als würden sie sich durch übermäßiges Aussprechen abnützen." Auch Bene und Oswald, genannt Oz, mit dem er in einem Kleinflugzeug nach Westen flieht, zeichnen auf ihre Weise ein Bild von Samuel. Dabei ist die Familiengeschichte angenehm unspektakulär, es wird gelebt und gestorben, verraten und geliebt. Letzteres über Grenzen und Jahre hinweg. Mit großer Zärtlichkeit und Wärme erweckt die Autorin ihre Figuren zum Leben - in einer Sprache, die zum Niederknien schön ist. Iris Wolff erzählt von der Kraft und der Belastbarkeit von Familienbanden und verzaubert ihre Leser/-innen mit diesem Roman, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Unschärfe der Welt

Die Unschärfe der Welt

Iris Wolff
Klett-Cotta (2020)

213 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 602243
ISBN 978-3-608-98326-5
9783608983265
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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Auszeichnung: Roman des Monats