hell/dunkel

Als die Mutter der 19-jährigen Valerie ins Krankenhaus kommt, weil der Darmkrebs erneut ausgebrochen ist, kehrt auch ihr 23-jähriger Bruder Robert zurück. Die Beziehung zwischen den Eltern ist vor Jahren gescheitert. Als die Mutter hell/dunkel krank wurde, war Robert nach Marburg geflohen und hatte dort eine Ausbildung angefangen. Nun hat er diese wieder abgebrochen, seine Freundin verlassen und ist nach Berlin zurückgekehrt. Da damals alle Verantwortung bei ihr gelegen hatte, möchte sich Valerie, anfangs noch wütend, zurückziehen. Doch dann kommen sich die Geschwister wieder näher. Als sie erfahren, dass ihre Mutter im Sterben liegt, stellen sich ihnen viele Fragen. Wie sollen sie die letzten Tage ihrer Mutter gestalten, wie selbst von ihr Abschied nehmen und mit ihrer Trauer klarkommen? Wie sollen sie mit ihrer Wut und Angst umgehen? Während jeder für sich selbst damit klarzukommen versucht, geben sich die Geschwister gleichzeitig gegenseitig Halt. Aus ihrer geschwisterlichen Nähe wird mit der Zeit eine zärtliche Annäherung, die bald die körperlichen Grenzen überschreitet. - Der Roman ist abwechselnd aus der Sichtweise von Valerie und Robert geschrieben. Er beschreibt die Gefühle der Geschwister in vielen Nuancen und enormer Intensivität. Die Themen Geschwisterliebe und Sterbehilfe durch hohe Morphiumgaben verweisen auf tiefer gehende Fragen: Wer stützt mich, wenn nahe Angehörige sterben? Wem kann ich mich anvertrauen? Und: Wie will ich sterben? Der jungen Autorin wünscht man jedenfalls große Aufmerksamkeit.

Nicole Lorrig

Nicole Lorrig

rezensiert für den Borromäusverein.

hell/dunkel

hell/dunkel

Julia Rothenburg
Frankfurter Verlagsanstalt (2019)

313 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 597274
ISBN 978-3-627-00259-6
9783627002596
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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