Das Ende eines ganz normalen Tages

Wie man spektakuläre Alltagsereignisse und sogar welthistorische Ereignisse vollkommen unaufgeregt so erzählen kann, als seien sie etwas ganz Normales, kann man in diesen Texten von Franz Hohler lernen. Da berichtet der Schweizer Das Ende eines ganz normalen Tages Autor, wie er den 11. September 2001 ganz normal verbracht hat und erst nach und nach versteht, warum die Journalisten und Politiker im Fernsehen so aufgeregt agieren. Am Abend dieses Tages greift er sich dann zur Beruhigung einen Stifter-Roman, "in dem niemand irgendjemandem etwas zuleide tut." Oder es werden nur Sprachfetzen aneinandergereiht, die der Autor beim erzwungenen Mithören von Handy-Gesprächen notiert hat. In der bloßen Aneinanderreihung dieser mitgehörten Telefongespräche wird einem die ganze Banalität der Handy-Kommunikation bewusst. In jeder dieser oft nur kurzen Geschichten geschieht fast nichts, alles scheint ganz normal zu sein, aber in diesen zarten Einschränkungen "fast" und "scheinen" liegt genau die Raffinesse dieses still, aber alles andere als langweilig schreibenden Schweizer Autors. Ein sehr empfehlenswerter Band für Leser, denen die Fähigkeit, Nuancen und feine Risse in der Alltagsnormalität wahrzunehmen, noch nicht verlorengegangen ist.

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Ende eines ganz normalen Tages

Das Ende eines ganz normalen Tages

Franz Hohler
Luchterhand (2008)

109 S.
fest geb.

MedienNr.: 297651
ISBN 978-3-630-87283-4
9783630872834
ca. 17,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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