Eduard Mörike

Mörike? Ja, Mörike! Der junge Mannheimer Germanist Ulrich Kittstein hat den Autor aus den biedermeierlichen Senkungen des 19. Jahrhunderts herausgeholt und präsentiert ihn in einem voluminösen Buch frohgemut als sanften Rebellen Eduard Mörike "Jenseits der Idylle" des Landpfarrerlebens, auf das Eduard Mörikes Leben und Schreiben lange Zeit reduziert wurde. Der Leser soll, so der Vorsatz, einen Autor kennen lernen, der seiner Zeit zwar nicht voraus war, aber während der Restauration im Königreich Württemberg, über dessen Grenzen er auch nach dem Umzug aus der schwäbischen Provinz in den Stuttgarter Literaturbetrieb zeitlebens kaum hinausging, eine durchaus wechselfreudige Autorenrolle spielte: als Natur- und Liebesdichter, als Satiriker und Parodist, als Autor des mit dem Tod aller Hauptfiguren endenden Bildungsromans "Maler Nolten", mit Künstlernovellen wie "Mozart auf der Reise nach Prag", mit Librettos, Übersetzungen griechischer und römischer Gedichte und mit Geisterstudien. Kittstein versteht es, Mörike als ernsthaften, manchmal amtsverdrossenen, aber trotz seiner Kränklichkeit an Anmut und Maß festhaltenden Menschen zu porträtieren. Wenn auch Kittstein dabei seine germanistische Herkunft nicht verleugnet, so sind doch die Interpretationen, gegenüber denen die Biografie bisweilen ins Hintertreffen gerät, feinsinnige Vorstellungen von Mörikes Werken. Lesenswert, für größere Bestände.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Eduard Mörike

Eduard Mörike

Ulrich Kittstein
Lambert Schneider (2015)

592 S.
fest geb.

MedienNr.: 803987
ISBN 978-3-650-40075-8
9783650400758
ca. 29,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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