Anna

Erika Pluhar schont sich nicht. Im Gegenteil: In "Anna - Eine Kindheit" geht die Autorin, Sängerin und Schauspielerin hart mit sich ins Gericht. Beschreibt sie doch in dieser Romanbiografie, die den Namen ihrer Tochter trägt, Anna ihre Rolle als Mutter, die sich und ihrem Kind viel, vielleicht zu viel zumutet, um sich selbst beruflich verwirklichen zu können. Annas junges Leben ist geprägt von der Abwesenheit beider Eltern. Während die Mutter auf der Theaterbühne steht oder Filme dreht und daher wenig Zeit für Kindererziehung und "Nestpflege" hat, taucht der exzentrische Vater Udo Proksch nur äußerst sporadisch und zumeist mehr oder weniger stark alkoholisiert auf, um das bisschen Normalität, das insbesondere Annas beide Großelternpaare dem Kind zu bereiten versuchen, mit großen Paukenschlägen zunichte zu machen. Von Asthmaanfällen, die sich im Laufe der Zeit steigern, geplagt, sehnt das Kind sich nach Zuwendung und Ruhe, wird aber ein ums andere Mal enttäuscht. Das Familienleben, das Erika Pluhar beschreibt, ist alles andere als idyllisch, dafür aber umso authentischer. Aus den Augen des Kindes schildert sie schnörkellos und niemals beschönigend eine Kindheit im Schatten eines Elternpaares, das die Öffentlichkeit mehr liebt als es für ein kleines Mädchen gut sein kann, und ermöglicht so dem Leser erhellende Einblicke.

Susanne Holzapfel

Susanne Holzapfel

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Anna

Anna

Erika Pluhar
Residenz-Verl. (2018)

244 S.
fest geb.

MedienNr.: 896256
ISBN 978-3-7017-1701-9
9783701717019
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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