Der Überzählige

Der Nachkriegssommer '45 in Wien: während Mütter froh sind, ihre Kinder für ein paar Wochen aufs Land schicken zu können, bedeutet es für viele Kinder, das erste Mal ohne Eltern bei fremden Menschen leben zu müssen. Ein einschneidendes Der Überzählige Erlebnis auch für die junge Christine, der schon während der Zugfahrt ein Unglück passiert, das ihren ganzen Aufenthalt prägen wird: sie verliert ihre Meldekarte, traut sich nicht, Bescheid zu sagen und kommt (statt eines Jungen) bei einem Bauern unter. Dieser Junge ist fortan der "Überzählige". Von der Kinderlandverschickung werden heutige Kinder noch nie etwas gehört haben, doch die Seelennöte des erzählenden Mädchens werden sie womöglich kennen. Gefühle der Verlassenheit und des Ausgeliefertseins, Schüchternheit und auch Schuldgefühle - all diese Emotionen waren für die Autorin so traumatisierend, dass sie davon (mit einem zeitlichen Abstand von vielen Jahren) noch in beklemmender Nähe erzählen kann. Wir erleben, dass das Kind die Konsequenzen seines Tuns kaum überblickt und dieses Unvermögen als Schuld wahrnimmt. Minutiös geben die Illustrierungen dieses Drama wieder und erreichen (wie auch der Erzähltext) die perfekte Balance zwischen der Empathie mit dem Kind und der großen zeitlichen Distanz. Vieles wird also den jungen Lesern von heute unbekannt sein, aber das Miterleben aktualisiert das Geschehen auf sehr beeindruckende Weise.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Überzählige

Der Überzählige

Christine Nöstlinger ; [Illustration:] Sophie Schmid
Nilpferd (2019)

[40] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 598662
ISBN 978-3-7074-5232-7
9783707452327
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 6
Systematik: KK
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